Formigine - Die Burg, eine tausendjährige Geschichte

Das faszinierendste Zeugnis der prunkvollen Vergangenheit des Gebietes von Formigine stellt die Burg dar, die sich mitten im Ortszentrum erhebt. Wo wir heute die majestätische Festung sehen, befand sich im 10. Jh. eine dem Hl. Bartholomäus gewidmete Pfarrkirche. In ihrer unmittelbaren Umgebung entstand ab dem Jahr 1000 ein Friedhof, der die Existenz eines nahegelegenen Dorfes vermuten lässt.
Die derzeitige Struktur der Kastellanlage mit markgräflicher Residenz und Park innerhalb eines Mauergürtels mit vier Türmen an den Ecken und einem Wachhaus stammt aus dem 15. Jh. Aus diesem Jahrhundert stammen auch einige Dekorationen im Außen- und Innenbereich der Burg, darunter die Wappen der Familie Pio im Uhrturm und das Fresko „Nostra Donna della Rocca“ in der Markgrafenresidenz. In der Nachkriegszeit erwarb die Stadt Formigine die Burg, um die durch die Bombardements beschädigte Anlage wiederaufzubauen und sie als Sitz der Stadtverwaltung zu nutzen. Nach einer erneuten, 2007 abgeschlossenen Restaurierung präsentiert sich die Burg nun mit ihren mehr als 800 Jahren als eine beeindruckende „Zeitmaschine“, die Spuren all dieser Epochen, Ereignisse und Persönlichkeiten vom Mittelalter bis in die heutige Zeit in sich trägt. Dieser außerordentlichen Zeitreise widmet sich das Museum und Dokumentationszentrum. Multimediale, interaktive Installationen bringen dem Besucher Orte, Personen und Ereignisse der Vergangenheit in moderner Sprache näher.
In der Burg Formigine ist ein Zyklus mit 5 wall drawings des britischen Künstlers David Tremlett ausgestellt, dessen Werke in der Tradition der Wandmalerei stehen. Sie werden in engster Beziehung zur unmittelbaren Umgebung geschaffen und passen sich ihr dadurch an. Für die Sala degli Archi, den Bogensaal, entwarf Tremlett bezaubernde Darstellungen mit abstrakten bunten Formen.
DIE PIEVE DEL CASTELLO
Die Überreste der Pfarrkirche San Bartolomeo und ihres Friedhofs wurden bei Ausgrabungen innerhalb der Burgmauern gefunden. Die Arbeit der Archäologen und Anthropologen führte zu wichtigen Erkenntnissen über die Landbevölkerung, die sich im 10.-11.Jh. um die Kultstätte ansiedelte und schließlich eine dauerhafte Siedlung mit Häusern, Straßen und Plätzen begründete. Insgesamt wurden 260 Gräber gefunden und erforscht, die auf den Zeitraum vom 10. bis 15. Jh. datierbar sind.
Die bei den Ausgrabungsarbeiten gesammelten Fundstücke und Informationen sind im Museum und Dokumentationszentrum der Burg zu finden, das im ältesten Teil der Anlage untergebracht ist.
Die kleine Kirche erreichte mit dem Bau des Glockenturms in der zweiten Hälfte des 14. Jh. ihre größte Blüte. Mit dem Beginn der Herrschaft der Familie Pio begann der allmähliche Abbau der Ortschaft, die innerhalb der Mauern wiederaufgebaut wurde. Die Pfarrkirche wurde in eine herrschaftliche Kapelle umgebaut und vor der Burg wurde die heutige Kirche San Bartolomeo errichtet. Vielleicht befand sich das Fresko „Nostra donna della Rocca“ ursprünglich in der alten Pfarrkirche. Das Fresko stammt von einem unbekannten Künstler und ist auf das 15. Jh. datierbar. Zurzeit ist es im Palazzo Marchionale, dem Markgrafenpalast, ausgestellt.
Nicht weit davon entfernt liegt die im 16. Jh. erbaute Chiesa della Madonna del Ponte, in deren Innenraum der Holzbaldachin zu bewundern ist, der das Votivbild der Madonna aus dem 15. Jh. aufnehmen sollte.
Folgt man der Hauptstraße von Formigine, der Via Giardini, trifft man auf die Chiesa della SS. Annunziata mit der charakteristischen zweifarbigen Fassade, wo das Bartolomeo Schedoni (1578-1615) zugeordnete Gemälde Mariä Verkündigung zu finden ist.
Hinter der Burg befindet sich ein kleines Oratorium, auch als Conventino bezeichnet, das seit 1525 dem Servitenorden gehörte.
PIEVE DI COLOMBARO
Die Geschichte des Ortsteils Colombaro ist mit der Gründung der Pieve San Giacomo in mathildischer Epoche verbunden. Die einschiffige Kirche mit einem Glockenturm aus dem 18. Jh. wurde erstmals 1127 urkundlich erwähnt. Die gesamte Anlage umfasste außer der Kirche und dem Kloster auch ein Hospiz für die Pilger, das in Dokumenten aus dem Jahre 1162 erwähnt wird.
Aus dem 15. Jh. stammen die Fresken, die unter dem Dach des an die Kirche angrenzenden Gebäudes gefunden wurden und ein typisches Beispiel für den Renaissancestil in der padanischen Tiefebene sind. Vom alten romanischen Gebäude sind die äußere Steinmauer aus Sandsteinquadern und ein kleines Biforienfenster erhalten, das zwischen der Kirche und dem Pfarrhaus sichtbar ist. Die Fassade wurde im Zuge von Restaurierungsarbeiten 1963 vollständig erneuert. Im Innenraum sind auf den Chorseiten zwei Kopien der von Ludovico Lana in Modena geschaffenen Altartafel der Madonna del Voto zu sehen und in der Mitte ein Bild des Apostels Jakobus aus dem 18. Jh. Der prunkvolle Altar mit Marmorintarsien stammt aus der Mitte des 18.Jh.

ComuneFormigine - 41043 (MO)

vai alla mappa

In caricamento...