Vignola - Die Burg

Die Burg ist, vielleicht für alle Einwohner von Vignola, das bedeutendste und beliebteste Symbol ihrer geographischen und kulturelle Identität. Mit ihr werden die wichtigsten historischen Ereignisse im Panaro-Tal in Verbindung gebracht: Seit sie als Bastion und Ort der Gemeinschaft der Bewohner diente, bis zu ihrem Umbau in eine elegante Residenz im 15. Jahrhundert, Anziehungspunkt für Künstler, Musiker, Literaten und Politiker.

Die Geschichte von Vignola und seiner Burg sind eng miteinander verbunden. So entstand eine perfekte Synthese zwischen dem Festungsbau und dem darum liegenden urbanen Gewebe – im Laufe langer Jahrhunderte, von den Auseinandersetzungen der Feudalherren zur Zeit des Mittelalters bis zum zweiten Weltkrieg, als die mächtigen, alten Mauern der sicherste Schutz gegen die Schrecken des Kriegs zu sein schienen.

Das Gründungsdatum der Burg ist nicht sichergestellt, doch ist davon auszugehen, dass sie in den Jahren nach Ende der Epoche der Karolinger als Schutz gegen die Ungarn errichtet wurde. Es heißt, die Abtei von Nonantola habe auch diese erste Festung erbaut. In einem Dokument aus dem Jahre 936 steht, dass sich Vignola zu jener Zeit unter der Herrschaft des Bischofs von Modena befand. Ein anderes Zeugnis beweist das Bestehen der Burg mindestens ab dem Jahr 1178.

Bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts diente das Gebäude zu militärischen Zwecken. 1401 erhielt der aus Ferrara stammende Adelige Uguccione Contrari vom Herrscher Ferraras, Nicolò III. von Este, das Lehen von Vignola als Geschenk. In den zwei darauf folgenden Jahrzehnten änderte sich die Funktion der Rocca tief greifend. Man machte sie zur prunkvollen, freskengeschmückten Residenz der Familie Contrari, welche an den Reichtum und die Pracht des Hofs von Ferrara gewohnt war.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts zogen die politischen und sozialen Ämter und Büros der Stadt in die Burg: das Rathaus, die Bibliothek und die Sparkasse von Vignola, welche die Festung schließlich 1965 erwarb. Während umfassender und sorgfältiger Restaurierungsarbeiten konnten in den vergangenen Jahrzehnten die Architektur und auch die Freskenbemalung der gesamten Struktur erhalten werden. Der Sala dei Leoni e dei Leopardi (Löwen- und Leopardensaal), der Sala delle Colombe (Taubensaal) und der Sala degli Anelli (Saal der Ringe) im Erdgeschoss sowie einige Räumlichkeiten im ersten Stock, der Sala delle Dame (Saal der Damen), der Sala degli Stemmi (Wappensaal) und der Sala dei Tronchi d’Albero (Saal der Baumstämme) sind mit Fresken aus dem 15. Jahrhundert geschmückt. Die Impresen und Wappen an den Wänden erzählen die Geschichte der Familie Contrari und heben ihre enge Verbindung mit derer von Este hervor.

In der Kapelle der Burg kann man einen wertvollen spätgotischen Freskenzyklus bewundern, den Uguccione Contrari in Auftrag gab. Darin sind Episoden aus dem Leben Jesu dargestellt. Sie stammen wahrscheinlich von dem sogenannten Maestro di Vignola, einem der wichtigsten Vertreter der emilianischen Kunst in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts, dessen richtiger Name jedoch nicht bekannt ist. Der Maestro di Vignola bietet in diesem Werk eine originelle Synthese der Kennzeichen der darstellenden Künste am Hof der Este, die emilianischen, venetischen, lombardischen Einflüssen und dem Wirken von Giovanni da Modena und Gentile da Fabriano sowie auch den stilistischen Vorgaben der ferraresischen Miniaturkunst unterstand.

Ein anderer mit herrlichen Fresken geschmückter Raum ist der Sala del Padiglione (Saal des Pavillons). Seinen Namen verdankt er der Darstellung eines großen Zelts mit einem offenen und geschmackvoll dekorierten Eingang. Davor erkennt man zwei Personen, Battistina Campofregoso und Ambrogio Contrari, die im Jahre 1461 heirateten. Ihre Hochzeitsfeier ist innerhalb der zinnengekrönten Mauern zu erkennen; sie erinnern an einen hängenden Garten mit Granatäpfelbäumen, Blumen- und Blätterranken und zahlreichen verschiedenen Schmuckpflanzen.

Vervollständigt wird das Gebäude durch die Sale degli Armigeri (Säle der Leibwache), die Laufgräben mit Blick auf das Umland und die drei Türme: torre di Nonantola, torre delle Donne und torre del Pennello. In den Kellern befinden sich heute zwei Konferenzräume, die in den antiken Weinkellern untergebracht wurden: der Sala dei Contrari und der Sala Grassoni.

ComuneVignola - 41058 (MO)

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