Fiorano Modenese - Die Burg in Spezzano

Die auf den sanften Hügeln des modenesischen Apennins im Mittelalter errichtete Burg von Spezzano stammt etwa aus dem Jahr 1200. Die ursprüngliche Anlage, deren Spuren heute noch am Festungsgraben, der Zugbrücke und den zinnengekrönten Mauern abzulesen sind, wurde von den Pio, den Herrschern der Stadt Carpi, in einen herrschaftlichen Palast umgebaut, dessen Zentrum der elegante Renaissance-Hof mit Laubengang ist.

Die herrliche Residenz aus dem 16. Jh. befindet sich etwas versteckt in dem historischen Park, wirkt dann aber umso imposanter auf das Auge des Betrachters. Die Freitreppe führt zur Beletage in der geräumigen Galleria delle Battaglie, deren Wände mit Fresken geschmückt sind, die die Heldentaten des Herzogs Alfonso I d’Este darstellen: Schlachten zu Wasser und zu Lande, dargestellt bis in die kleinsten Details, die Kleidung, Waffen und Proviant von Fürsten, Heeren und Dienern beschreiben.

In der Beletage mit den Wohnräumen der Familie Pio di Savoia aus dem 16. Jh. sind heute noch die Inschriften mit vergoldeten Buchstaben an den Architraven sichtbar, die an Marco Pio erinnern. Das versteckte Juwel der Beletage ist die Sala delle Vedute, ein zu Repräsentationszwecken dienender majestätischer Raum, der auf den Hof blickt. Hier befindet sich ein aus 57 Veduten mit Darstellungen von Burgen, Dörfern und Weilern der Umgebung bestehender Freskenzyklus, der dazu diente, die Macht der Familie Pio di Savoia zu rühmen. Die Fresken aus farnesianischer Schule liegen künstlerisch zwischen Malerei und Kartographie und sind eine faszinierende historische Fotografie des Territoriums gegen Ende des 16. Jh.

Eindrucksvoll sind auch die Gefängnisse im fünfeckigen Turm, wo sich noch ein altes Lager mit Holzverschlag und hunderte kurioser Inschriften der einstigen Gefangenen befinden. Ein Raum im Erdgeschoss der Burg, das zuvor als Gerichtsraum diente, wurde Anfang des 20. Jh. zur Kapelle umfunktioniert. Hier befindet sich ein auf das Jahr 1669 datierter Altar mit einem Stuck-Paliotto aus Carpi. Im ehemaligen Gerichtsraum, der sogenannten Camera della Ragione befand sich ein Seil, das mit der Glocke im Burgturm verbunden war. Mit Hilfe der Glocke konnte die Bevölkerung bei Feuer, Unglücksfällen, Mordfällen oder zur Ausrufung von Verordnungen herbeigerufen werden. Die ursprüngliche Glocke wurde im 19. Jh. durch eine neue ersetzt, die auch heute noch vorhanden ist.

Im fünfeckigen Turm der Burg in Spezzano befindet sich die Acetaia Comunale, das städtische Essiglager. Es besteht aus drei Batterien mit dem Aceto Balsamico Tradizionale di Modena, einschließlich der originalen Einrichtungen und Werkzeuge. Im Pförtnerhaus befindet sich heute ein Restaurant, das lokale Gerichte anbietet. An den mächtigen Mauern wachsen wilde Kapern, die Grundzutat der grünen Sauce, die vor allem zu Suppenfleisch gereicht wird und eine appetitanregende Ergänzung vieler traditioneller Gerichte der Region ist. Zur Herstellung der aromatischen grünen Sauce benötigt man eine Handvoll in Salz eingelegte Kapernknospen, einen Bund Petersilie, zwei Sardellenfilets, ein kleingehacktes, hartgekochtes Ei, etwas natives Olivenöl extra und wenige Tropfen Aceto Balsamico Tradizionale.

Im ersten Geschoss des Gebäudes befindet sich das Museo della Ceramica di Fiorano, das Keramikmuseum, in dem Techniken zur Herstellung von Keramik von der Jungsteinzeit bis heute dokumentiert sind.
Die Burg ist von einem Ende des 19. Jh. angelegten historischen Park umgeben, der sie vor den Blicken der Besucher verbirgt. Der dominierende Teil des Parks ist ein aus Eichen, Ahornbäumen, Hainbuchen, Eiben und Zedern bestehendes Waldstück. Es wird von mit Buchsbaumhecken gesäumten Wegen durchquert. Außerdem verläuft ein Wander- und Fahrradweg durch den historischen Park. Er führt zur Ortschaft Fogliano und verbindet das Gebiet der Burg von Spezzano mit den Burgen von Nirano und Montegibbio und mit dem Naturschutzgebiet der Schlammvulkane von Nirano.

ComuneFiorano Modenese - 41042 (MO)

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